Die Räuber

Die Räuber

Die Räuber

frei nach Friedrich Schiller
für den Theatersommer eingerichtet von Peter Kratz

REGIE: Peter Kratz          KOSTÜME: Claudia Flasche         BÜHNE: Carl Bauer
MIT: Andreas Klaue, Anja Barth, Bernhard Linke, Christiani Wetter

Premiere: 9.07.2014
Weitere Vorstellungen bis 19.07.2014 (siehe Spielplan)

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Probenfoto: Die Räuber (Ensemble)

Des jungen Schillers wilde Räuber, so scheint es, sind ihrerseits schon gründlich ausgeräubert worden: durch eine Theatergeschichte und Literaturkritik, die mit vereinten Kräften kaum eine Facette möglicher Deutung ausgelassen haben. Und doch! Die beiden Haupt-Räuber, Brüder wie Eis und Feuer, sind in ihrer ungestümen Wesensart und Sprachgewalt etwas, das sich nie unterordnet, sich nie ganz auf eine einzelne Bühne pressen lässt. Nach den Erfolgen von „Kabale & Liebe“, „Don Carlos und die 1001. Nacht“ sowie „Wallenstein 2005“ wagt sich nun der Theatersommer auch an dieses Schiller-Abenteuer – und tut das auf eine Art, die so noch nicht zu sehen war.

Über 230 Jahre sind vergangen. Da steht er nun, der alte Moor, unser Erzähler, und lässt alles ganz neu beginnen: Es waren einmal … Karl und Franz. Dort der Lieblingssohn, weit weg, hier der andere, stets präsent, von Neid und Habsucht zerfressen. Hinzu tritt ein weiblich-wüster Derwisch namens Spiegelberg, und da ist auch das zarte engelsgleiche Wesen Amalia. Erzählung, Erinnerung, Träumerei nehmen Gestalt an, das bitterernste Spiel beginnt – in dem die Gegensätze sich vielfach spiegeln, Figuren wie Zeiten durcheinanderstürmen und -drängen.

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Probenfoto: Die Räuber

Das Leben selbst zeichnet die Akteure, stürzt sie in existentielle Zerrissenheit, konfrontiert sie mit den Folgen der Freiheit, den ewigen Fragen nach Gut und Böse. Denen entkommt keiner – auch der Gute nicht, weil er unmöglich rein bleiben kann. Auf der Bühne wechseln die Figuren fortwährend ihre Erscheinung, Bilder der Wandelbarkeit menschlicher Existenz. Die Erzählung spannt Traumwelten auf, irreale Szenen und Phantasiegebilde schlagen kühn in handfeste Materialität um, gewürzt mit Spielwitz und Kommentaren auf offener Bühne. Alle Gattungen sind angetreten, Tragödie, Komödie, Satyrspiel und nicht zuletzt die Suche nach dem verlorenen Liebesidyll. Kurz, diese Räuber bieten ein „schillerndes“ Bild des Lebens, ein Bravourstück des Freilichttheaters, das den Zuschauer mit Emotion und Denkstoff gleichermaßen satt versorgt.

Inhalt:
Franz schwärzt den ihm verhassten Bruder Karl beim Vater an, der leichtgläubige alte Moor geht ihm auf dem Leim und ist verzweifelt. Franz schmiedet infame Pläne, will alles an sich reißen, nach des Vaters Gunst auch Amalia, Karls Geliebte. Die Spiegelberg, Inbegriff der Räuberin, Energiebündel und Veits-Tänzerin, hetzt derweil den gealterten Karl auf und erinnert ihn an seine einstige Kraft. Sie hat Großes, Böses vor. Doch Karl sucht die Versöhnung mit dem Vater. Franz’ zweiter intriganter Brief nimmt auch ihm die Hoffnung. Die Spiegelberg, eine Meisterin des Worts, hält Hetzreden und gründet eine Räuberbande, Karl wird Hauptmann. Ein Räuberschicksal nimmt seinen Lauf.

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Probenfoto: Die Räuber (Ensemble)

Franz, auf dem väterlichen Schloss, will Amalia für sich gewinnen. Er verleumdet seinen Bruder, doch Amalia sträubt sich und bleibt stark in ihrer Liebe zu Karl. Franz gaukelt dem alten Moor den Tod seines geliebten Sohnes Karl vor, um ihn durch den Schock zu töten. Den Hauptmann Karl, in der Ferne, plagen als zutiefst menschlichen Räuber beständige Skrupel, er kommt aber aus dem Teufelskreis von Kampf und Tat nicht heraus. Franz hingegen ist kein Mittel zu infam, um seine Ziele zu erreichen. Zwei Welten, die sich nie begegnen – bis Karl, der mit seinem Räuberdasein hadert, dem inneren Drang folgt, an die Orte seiner Kindheit zurückzukehren. Doch dort ist nichts mehr, wie es war …

Nun beginnt ein Schlagabtausch zwischen Liebe und Hass, zwischen Nihilismus und Glauben, zwischen Gier und Opfermut, Chaos und Ordnung. Die feindlichen Brüder treffen aufeinander in einem gemeinsamen, apokalyptischen Traum, dann in der Wirklichkeit. Und rasch ist klar: Diesen Kampfplatz wird niemand unbeschadet verlassen.